Portrait

Deniz Kurku

Deniz Kurku – Denken und Handeln

Deniz Kurku sitzt mit einem Freund am Fluss. Barfuß und ganz entspannt auf dem Gras. Beide reden nicht viel. Sie schauen gemeinsam aufs Wasser. Die Abendsonne scheint warm. Hierher sind sie schon oft gekommen. Zum Reden und Denken. Seit 24 Jahren sind sie befreundet. Auch wenn sie heute in verschiedenen Welten leben.

Sein Freund und er wachsen zusammen auf. Beide sind „Mischlinge“, wie sie selbst sagen. Mütter deutsch, Väter türkisch.

Sie wissen beide, was draußen los ist. Als Jugendliche schleppten sie Badewannen im Baumarkt und sortierten Waren im Supermarkt, um auf das erste Auto zu sparen, feierten Partys und hörten Hip-Hop.

Kurkus Grundschulfreunde, viele davon Kinder von Migranten, gehen damals alle auf die Haupt- oder Realschule. Kurku ist so gut in der Schule, dass er aufs Gymnasium kommt. Dort ist er plötzlich in einer anderen Welt. Er kommt in die neue Klasse, und dort sind bis auf ganz wenige Ausnahmen alle deutsch. „Da habe ich verstanden, dass mit diesem ganzen System etwas nicht stimmt. Später führte mich auch diese Erkenntnis dann in die SPD.“

Ein junger Mann, der etwas von Wirtschaft und Finanzen versteht

Kurku will in den Landtag. Mit gerade einmal 35 Jahren. Er hat gute Chancen, gewählt zu werden. Er tritt an für die SPD in Delmenhorst. Gewählt wurde er mit 100% in einer geheimen Abstimmung. Selbstverständlich ist das in der SPD in Delmenhorst nicht. Wer ist dieser junge Mann, der bei den Kommunalwahlen das beste Ergebnis der Stadt bekam, der sich im Stadtrat vor allem um Wirtschaft und Finanzen kümmert und der sich jetzt vornimmt, in die große Politik einzusteigen?

Ich treffe Kurku in seiner Stadt. In Delmenhorst ist er tief verwurzelt. Wir setzen uns in ein Café. Er kennt die Besitzer und jede Bedienung mit Namen. Heute möchte ich mehr von ihm erfahren als über sein politisches Programm für die Stadt. Ich will wissen, wer der Mensch ist, der bald auf vielen Wahlplakaten hängt.

Kurku wächst in einer großen Familie auf. Einer Familie, in der man es liebt, zu diskutieren. Wenn sich die Familie trifft, dann sitzen sie gemeinsam am Tisch und alle reden. Was ihn schon früh prägt, ist, dass in seiner Familie die Meinung von jedem gehört wird – von den Kleinen genauso wie von den Großen. Er selbst lernt, so zu diskutieren und sich mit Argumenten für eine Sache stark zu machen. Eine Eigenschaft, die ihn bis heute begleitet.

Seine Startvoraussetzungen sind nicht die besten. Seine Jugendfreunde schaffen nicht alle den gesellschaftlichen Aufstieg. „Einige haben es trotz sehr schwerer Voraussetzungen wirklich weit gebracht, und andere sind einfach durchs Raster gefallen.“
Abgebrochen hat er den Kontakt zu seinen alten Jugendfreunden nie. Bis heute pflegt er enge Kontakte zu Menschen, die ein ganz anderes Leben führen.
„Ich finde es wichtig, die Perspektive ganz unterschiedlicher Menschen einnehmen zu können. Ich finde es wichtig, zu verstehen, für wen man Politik macht.“

Kurku ist ganz anders als so viele in der Politik

Kurku ist ganz anders als so viele in der Politik. Ihn interessiert nicht, ob jemand eine fulminante Rede hält. „Es ekelt mich, wenn Leute lange darüber reden, wie eine Rede war. Am Ende wirst du an der Arbeit gemessen.“ Die Arbeit ist für Kurku das konkrete Erreichen von greifbaren Ergebnissen. „Wenn Jugendliche sich so sehr einen Basketballkorb wünschen, und am Ende steht da einer. Wenn für ihre gute Jugendarbeit bekannte Boxtrainer eine ordentliche Wettkampfbeleuchtung brauchen, und am Ende hängt sie. Das ist politischer Erfolg.“ Kurku braucht diese Erfolgserlebnisse. Sie sind sein eigentlicher Antrieb. „Ich brauche das wie ein Auto Benzin.“

Kurku wirkt auf mich energisch, aber nicht verbissen. Wie einer, der wirklich Politik für andere macht. „Ich kenne so viele Leute, die können sich einfach nicht wehren. Die wissen nichts über die Verwaltung oder den Umgang mit Ämtern. Die wissen nicht, dass man da Briefe hinschicken kann. Das ist auch ganz unabhängig von der Herkunft. Für mich bedeutet es ja oft nur, zwei Anrufe zu machen oder einen Antrag zu schreiben, damit jemand in der Verwaltung erfährt, was es vor Ort braucht. Und schon haben wir die Stadt wieder ein kleines bisschen besser gemacht.“

Doch die vielen kleinen Erfolge in der Stadt allein reichen nicht. Er hat eine ganze Menge vor für seine Stadt und will deswegen in den Landtag. Eine Sache treibt ihn ganz besonders um.

„Wenn ich will – und das ist meine Vision –, dass alle die Möglichkeiten haben, ihr Leben entsprechend ihren Wünschen zu leben, dann muss sich etwas verändern. Leute, die heute keine Chance haben, müssen eine bekommen.“

Deshalb will er auch in den Landtag. Weil er weiß, dass nur seine Fähigkeit, perfekt Deutsch zu sprechen, ihm den Weg zu besserer Bildung ebnete. „Ich habe zu Hause auch durch meine Mutter gutes Deutsch gelernt. Für beide Elternteile war Bildung sehr wichtig. Andere haben das Glück nicht. Die Sprachförderung muss weitergehen für alle Kinder. Das entscheidet sich im Landtag. Die Möglichkeit, auch auf dem zweiten oder dritten Bildungsweg noch das Abi nachzumachen, entscheidet sich auch im Landtag. Die Chancen für alle Kinder, sich entsprechend der Fähigkeiten weiterzubilden, unabhängig von den Mitteln der Eltern. Das alles entscheidet sich im Landtag. Ich will helfen, ihnen diese Chance zu verschaffen.“

Energisch und fleißig, so lernt man Kurku schnell kennen. Aber es gibt auch eine zweite Seite an ihm. Einen nachdenklichen Mann, der ganz ruhig davon erzählte, wie mancher Traum nicht wahr wurde. „Mit 18 habe ich gedacht, mit 28 hätte ich längst Frau und Kinder. Jetzt mit 35 sieht es anders aus. Aber ich bin zum ersten Mal Onkel geworden – das ist mein größtes Glück“, sagt der Familienmensch Kurku. „Ich glaube, es geht im Leben um das ganz Einfache. Das ist echtes Glück. Die Politik, das große Ganze, das hat eine Faszination. Aber das Kleine, das Reduzierte, das ist das wahrhaftig Schöne. So wie Brot, Oliven und Sonne am See.“

Unser Gespräch hat längst eine Wendung genommen. Wir sprechen nicht mehr über politische Ziele, sondern über das Leben. Wir sprechen über den Wunsch, den Moment des Glücks festzuhalten, während das Leben rastlos vorbeizieht. Über Höhen und Tiefen, über den Verlust von Familienangehörigen und darüber, dass die Menschen heute so verzweifelt versuchen, sich zu optimieren, dass sie ihre eigene Schönheit verkennen.

In einem gefühlten Augenblick sind vier Stunden verflogen. Als ich gehe, weiß ich, dass ich nicht nur ein Portrait über einen jungen Politiker schreibe, sondern ich habe auch das gute Gefühl, einen Nachwuchspolitiker kennengelernt zu haben, der ernsthaft nachdenkt und die richtigen Ziele verfolgt.


In den letzten Wochen und Monaten hat der SPD-Landesverband Niedersachsen seinen Mitarbeiter Norman auf eine Reise geschickt. Eine Reise quer durch Niedersachsen, um unsere Landtagsabgeordneten und unsere Kandidatinnen und Kandidaten für den Landtag zu treffen und kennenzulernen. Sechzehn Persönlichkeiten, mit außergewöhnlichen und unterschiedlichsten Lebensläufen, die die SPD im Landtag vertreten oder nach dem 15. Oktober vertreten wollen, hat Norman getroffen. Und er hat Portraits über sie geschrieben. Zu jedem Portrait hat Willi Lemke außerdem einen persönlichen Kommentar geschrieben:

 

„Ich unterstütze Deniz Kurku, weil er mit Ernsthaftigkeit und messerscharfem Verstand die richtigen Ziele verfolgt. Dabei kommt nie die Menschlichkeit zu kurz.“
Willi Lemke
Bild: hmitz

Deniz‘ Portait auf SPD Niedersachsen …

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